Promovieren mit Kind? Das Fazit zu einem Herzensprojekt!

Mehr als 2 Jahre sind seit dem Abschluss meiner Promotion nun schon vergangen. Das besondere daran? Ich habe erst Jahre nach dem Studium und mitten in der Familienplanung nebenberuflich promoviert. Inzwischen hat sich unser Alltag irgendwo zwischen Beruf, Familie und dem Und sonst so? eingependelt. Es ist Zeit ein Fazit zu ziehen.

Würde ich es nochmal so machen? Passte das alles unter einen Hut ? „Promovieren mit Kind? Das Fazit zu einem Herzensprojekt!“ weiterlesen

Happy New Year und Schildkröten mit Suppe

Das neue Jahr hat sich mir nun also doch noch aufgedrängt. Es ist da.

Ich bin innerlich noch gar nicht so weit und ohnehin der Meinung, dass es noch eine Weile hätte weg bleiben können. Kann nicht einmal alles so blieben wie es ist? Muss es da immer dieses Vorwärtstreiben geben?

Jemand hat mal so treffend formuliert, er warte darauf, anzukommen. In seinem Leben, in sich, in der Ruhe. Dieses Gefühl hätte ich auch gerne einmal. Ankommen, bleiben, da sein, nichts müssen.

Aber leider ist ja immer was.

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Kleine Schritte, große Wirkung oder Eltern sind Schildkröten…

Ich lese manchmal die Klappentexte von Lebenshilfebüchern und oft erzählt mir meine „kleine“ Schwester von Ratgebern, die mein Leben verändern sollen. Ab und zu landet eines dieser Bücher dann auch bei mir zu Hause. Und bleibt ungelesen. Was sicher oft bedauerlich ist. Im Moment höre und lese ich viel von kleinen Schritten, von Mikroschritten, von ganz kleinen Dingen, die grundlegende Veränderungen auslösen können. Schließlich ist bald Neujahr. Der beste Zeitpunkt, um sich darüber Gedanken zu machen, ob und was ich in meinem Leben verändern will. Das habe ich kürzlich ja auch schon getan.

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Alles darf, nichts muss…

Ich habe gerade erst einen Artikel über Ziele und Pläne für das Jahr 2017 gelesen. Und mir wurde schlagartig klar: Es ist mal wieder soweit. Das alte Jahr nähert sich seinem Ende. Das neue Jahr kommt mit großen Schritten auf mich zu. Wie jedes andere der zurückliegenden Jahre wird es mich teilweise überrennen, umwerfen, auch mal übersehen oder mich ungefragt mit sich schleifen. Ich werde gefühlt die halbe Zeit des Jahres versuchen, den Überblick zu behalten und die meiste Zeit doch nicht so genau wissen, was da gerade alles passiert. Diese verflixte Zeit dehnt sich manchmal so unendlich aus und dann zieht sie sich wieder blitzschnell zusammen. Wie beim Gummitwist. Ich war im zurückliegenden Jahr andauernd damit beschäftigt, irgendwie zwischen Beruf, Familie und dem, was ich ansonsten noch will, hin und her zu springen. Und möglichst ohne Blessuren durch all das hindurch zu kommen. Oft war ich ganz zufrieden. Aber noch öfter atemlos und angespannt.

Am zufriedensten war ich in den Momenten, in denen ich akzeptierte, dass ich nicht gleich viel Energie für Arbeit, Freizeit und Familie aufbringen kann; dass ich Zeit brauche, um meine Kinder groß zu ziehen; dass ich genau deshalb gerade keine Karriere mache; dass mir ein paar andere Herzensziele genauso wichtig sind und dass ich nicht alles haben kann.

Oh Gott, wie klingt das?

Du kannst nicht alles haben.

Deprimierend? Unkreativ? Resignierend?

Du kannst nicht alles haben, heißt jedoch auch, Du musst nicht alles haben.  Das hat verrückterweise auch etwas mit Freiheit zu tun. In meiner Werteordnung steht  die Freiheit momentan ganz oben. Das hat mir neulich mein Coach klar gemacht: „Ich lese aus ihren Worten heraus, dass sie mehr Freiheit wollen, wussten sie das?“ – „Freiheit, ich? Ich bin ein berufstätige Mutter. Ich bin eine dreifache Mutter. Ich bin das Gegenteil von frei!!!“. Diese drei Ausrufezeichen müssen mir im Gesicht gestanden haben, denn mein Coach lachte.

Dann antwortete sie: „Doch, es passt dazu, dass sie gerade keine Termine, keine beruflichen Zwänge und keine engen Zeitfenster mögen. Es leuchtet absolut ein, dass es Ihnen gerade wichtiger ist, sich selbst auszusuchen, was dran ist und was nicht. Sie haben nicht den Traum von einer Karriere, einer Weltreise oder dem eigenen Haus. Die damit verbundenen Werte (Ehrgeiz, Abwechslung, Geborgenheit) erfüllen Sie jetzt nicht. Sie treibt das Bedürfnis nach Freiheit um und dem sollten Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten entsprechen.“

Und dann sagte Sie mir etwas ganz simples und doch so befreiendes: „Sie müssen nicht alles sein. Sie dürfen entscheiden, was Ihnen jetzt wichtig ist und was warten kann. In zwei Jahren betrachten wir die Parameter dann neu.“.

Und auf einmal bekam ich mehr Luft.

Das ist es!

Nächstes Jahr werde ich es anders machen. Gaaaaanz anders. Ich werde aufhören darüber nachzudenken, wie ich als berufstätige Mama so sein sollte. Das heißt, ich werde meine Prioritäten verschieben. Ich werde immer noch arbeiten, Termine machen, Pläne schmieden und Ziele verfolgen.

Aber – und jetzt kommt es – ich werde versuchen, mehr im DÜRFEN zu sein. Das bedeutet, ich werde aufhören, mich dafür zu entschuldigen, dass ich manchmal einfach nur Mama und manchmal auch einfach nur ICH sein kann. Wenn meine Kinder krank sind, reiche ich bei meinem Arbeitgeber die Krankmeldung ein und bleibe zu Hause. Wenn ich nicht zum Yoga sondern mit meinen Kindern basteln oder lesen will, dann schwänze ich meinen Yoga-Kurs ohne schlechtes Gewissen; wenn ich keine Lust darauf habe, noch einen Elternabend zu besuchen, dann lasse ich mir das Wichtigste später berichten; wenn ich eine Auszeit brauche, dann gebe ich meine Kinder ab; wenn wir auch mal Leerlauf haben wollen, dann schalte ich die Klingel aus; wenn wir müde sind, gehen wir nach Hause und kuscheln uns zu fünft auf das Sofa.

Es wird keine aufregenden Eckpunkte und schon gar keine großen Ziele für das neue Jahr geben: Ich will weiterhin keine nennenswerten beruflichen Veränderungen herbeiführen; ich will meine Zeit mit Mann und Mäusen genießen; ich will die Freizeittermine der Kinder weiterhin auf die ihnen wirklich wichtigen Dinge reduzieren; wir werden unsere Wohnung schrittweise weiter einrichten (es fehlen noch ganz viele Lampen!!!);  ich werde mein Buch zu Ende zu schreiben (oh ja, aber nur dann, wenn ich dazu Lust habe); ich werde ein paar Tage alleine verbringen und ich werde immer noch keine Bio-, Öko-, Vegan-, Hip-, Lifestyle-, DIY-, 120% Attachment Parenting-Mama sein. Ich beginne damit, mir vorzustellen, dass mein Mamasein mich und mein Leben ausmachen darf. Dass ich dafür an andere Stelle kürzer treten darf, dass ich in anderen Lebensbereichen deshalb auch mittelmäßig bis schlecht sein darf (eine Karrierefrau und fleißige Yogini werde ich im nächsten Jahr nicht). Und das ich auch ab und zu das Mamasein für ein anderes Herzensziel beiseite schieben darf.

Im neuen Jahr heißt es bei uns öfter: „Alles darf, nichts muss.“

Ich gucke mal, wohin uns diese Einstellung bringt. Ich denke, es tut uns gut.

 

 

Ich bin ein Coachee oder Was am Ende auf dem Flipchart steht

Mein Coach ist prima. Sie hat beruflich eher mit Managementfragen und Personalentwicklung zu tun und coacht „nur“ nebenberuflich Mütter. Ihre Professionalität kommt mir allerdings entgegen, denn wir arbeiten mit Dingen wie
Flipcharts und Fragebögen zu Motivation und Antreibern, wir entwerfen Zeitpläne zu meinem Alltag als berufstätige Mutter und malen Zukunftsvisionen mit Edding auf A3 – Bögen. Das Strukturierte daran mag ich.

Was bisher dabei herausgekommen ist?

Ich weiß es nicht genau.

Okay, es wird mir schon einmal gut tun, alle drei bis vier Wochen für 1,5 Stunden eine Plattform zu haben, bei der es nur um mich und meine Befindlichkeiten geht. Ich bekomme Zeit, um mich zu sortieren. Ich habe zudem festgestellt, dass es manchmal nur darum geht, sich der Abläufe im Alltag bewusst zu werden und an einigen Stellen die Aufgabenteilung auch anzunehmen. Seit meinem ersten Coaching-Termin kümmere ich mich beispielsweise nicht mehr um die Küche und um die Dinge, die mein Mann in unserem Haushalt übernommen hat. Und das tut mir gut. Ich habe dadurch nicht mehr das Gefühl, an alles denken zu müssen und kann jetzt eine unaufgeräumte Küche komplett ignorieren. Irgendwann im Laufe des Abends oder des nächsten Morgens ist die Küche wieder schön. Das weiß ich jetzt.

Ich bin inzwischen auch so weit, das Spielzimmer nicht mehr jeden Tag aufzuräumen. Wenn mich das Durcheinander nervt, schließe ich die Tür. Und wir nehmen uns am Wochenende regelmäßig für 2-3 Stunden gegenseitig die Kinder ab. Und zwar nicht nur dann, wenn etwas so wichtiges zu erledigen ist wie Regal anbauen oder Keller aufräumen sondern auch fürs Shoppen, Lesen oder Nichtsstun.

Das sind Kleinigkeiten, aber es stimmt:
Oft geht es „nur“ um die eigene Einstellung und die gegenseitige Erwartungshaltung.

Und…

…mein Coach hat aus mir herausgekitzelt, dass es da ein Thema gibt, das mich mehr beschäftigt als ich annahm.

Ein 4. Kind.

Ich war in dem Glauben, da sei ein klares NEIN in mir. Und so ist es auch.

Dennoch hat mich dieses NEIN beschäftigt.

Vor allem hat mich beschäftigt, wie ich es dem Mäusepapa sagen soll.

Und deshalb haben wir das Thema beim Coaching quasi eingeschoben – zwischen die Themen Zukunftsvision, unbewusste Antreiber und persönliche Zeitfenster – und gedankliche pro und contra-Listen geschrieben. Sie hat mir kluge Fragen dazu gestellt und wir haben verschiedene Optionen durchgesprochen: Was wäre mit einem größeren Altersabstand zwischen dem dritten und vierten Kind? (Geht nicht, weil ich schon 41 bin.) Würde ich mit vier Kindern grundsätzlich weniger arbeiten wollen? (JA) Habe ich den Traum von einem Haus im Grünen? (NEIN) Übernimmt der Mäusepapa dieses Mal die Elternzeit? (Das würde er sogar machen.) Was würden wir verpassen, wenn es kein viertes Kind gebe? Was würden wir nicht verpassen, wenn es kein viertes Kind gebe?…

Mehr Zeit für mich habe ich durch das ALLES immer noch nicht.
Aber es geht mir besser. Und das ist doch schon mal etwas.

Im nächsten Termin wird es wieder um meine Fernziele gehen.
Wie soll mein Alltag im Jahr –Ähm mhm, sagen wir – 2019 aussehen?
Und welche Hürden und Stationen gibt es auf dem Weg dorthin?

Ich bin schon einmal gespannt, was am Ende auf dem Flipchart steht.