Drei Kinder und eine Beerdigung

Wnsche und Trume: Glckwunschkarte oder Konzept mit Stein

Vor der Beerdigung meines Schwiegervaters kam bei mir die Frage auf, ob wir den Kindern einen Trauergottesdienst zumuten können. Mein Schwiegerpapa war immerhin ihr Opa, er wurde geliebt, geschätzt und wird sehr vermisst.

Wir beschlossen letztlich, sie mitzunehmen-alle drei. Zum einen hätte sonst jemand von uns  wegen der Kinderbetreuung nicht dabei sein können und zum anderen könnte es für die Mäuse später einmal wichtig sein, dass sie sich vom Opa verabschiedet haben. Wir hatten zwar auch einen Plan B, falls wir die Trauergäste mit den Kindern stören würden, aber die Minimaus hat es ohnehin noch nicht verstanden und verschlief die Trauerfeier im Tragetuch. Der Mäuserich war traurig, fand die Grabrede und die stille Atmosphäre im Gottesdienst jedoch so entspannend, dass auch er auf Papas Arm einschlief und erst zum Ende hin wieder wach wurde. Der Maus war es tatsächlich wichtig, dabei zu sein, vom Opa noch einmal zu hören, über ihn zu reden und ihm Blumen und selbst gemalte Bilder ans Grab zu bringen. Für sie war es ein trauriger, aber auch ein klarer Weg, um sich von ihm zu verabschieden.

Im Nachhinein denke ich, es war gut, dass wir alle zusammen dabei waren. Wie haben mit den Mäusen vorher besprochen wie die Trauerfeier ablaufen wird und reden auch jetzt noch viel über den Opa, über Verlust und Abschied, über den Himmel und wie das Leben nach dem Tod so aussehen mag. Meine Mäuse haben noch eine vereinfachte Vorstellung. Der Opa ist jetzt im Himmel auf einer Wolke (zusammen mit ihrem Uropa und seiner Katze), guckt uns beim Leben zu und beschützt uns im Alltag. Er ist zwar nicht zu sprechen, aber man kann an ihn denken und er denkt an uns. Das lässt uns den Verlust nicht vergessen, aber die Mäuse können mit ihm umgehen. Sie haben zudem einen recht pragmatischen Ansatz der Trauerbewältigung für sich gewählt. Maus und Mäuserich begannen gleich nach der traurigen Nachricht, den Opa zu malen, Fotos von ihm anzuschauen, über gemeinsame Erlebnisse zu sprechen, aufzuzeichnen, was der Opa jetzt nicht mehr machen kann (zusammen mit ihnen Blumen gießen, mit ihnen durch den Garten laufen oder Fußball spielen) und für die Oma Erinnerungsgeschenke zu basteln. Die Trauerfeier war dann für sie eine logische Fortsetzung dessen.

Die übrigen Trauergäste hat es nicht gestört, die Familie fand es selbstverständlich und uns tat es gut, gemeinsam Abschied zu nehmen. Wir haben natürlich darauf geachtet, dass wir die Umstände altersgerecht erklären, der Sarg nicht mehr offen ist und auch niemand den Mäusen Fotos vom verstorbenen Opa im Sterbebett zeigt (alles schon erlebt). Wir haben auch möglichst vermieden, unheimliche Bilder im Kopf der Kinder zu erzeugen wie die Vorstellung vom lebend begrabenen Opa unter der Erde oder die Idee, dass der Opa im Grab frieren muss. Diesbezüglich haben wir uns die Freiheit genommen, nahe an der Wahrheit zu bleiben und ihnen dennoch ein „Happy End“ zu vermitteln, in dem der Opa zB schon längst im Himmel ist. Ich denke, das ist in diesem Kindesalter nicht nur legitim sondern sogar notwendig.

Mir jedenfalls ist es wichtig, dass die Mäuse sich ihren Glauben an Gott und ein Leben nach dem Tod so lange es geht bewahren. Daher fand ich es sehr berührend, als die Maus mich heute morgen fragte, ob ich an Gott glaube. Als ich bejahte und eine ihrer Freundinnen dazu meinte, einen Gott gebe es nicht, antwortete meine Maus glasklar:

„Wenn man an ihn glaubt, dann gibt es ihn auch.“

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Glücksmoment: Spontaner Kaffeenachmittag bei der Oma.

MontagsGrübelei

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Es war nur ein Film. Ich kann diese Szene trotzdem nicht vergessen. Sogar nachts, wenn ich aufwache, habe ich oft dieses Bild im Kopf. Es ging um den Holocaust. Die Menschen wurden aus ihren Häusern auf einen Sammelplatz getrieben. Eine Mutter hat ihr Baby im Arm und weint die ganze Zeit: „Warum habe ich das getan? Warum habe ich das getan?“. Ihr Mann steht schweigend und hilflos daneben bis jemand genervt ruft, sie solle endlich still sein. Da erzählt er, dass sie unbeabsichtigt und aus Angst ihr Baby erstickt hat, weil sie es im Versteck zum Schweigen bringen wollte.

Gestern hatten wir Kaffeebesuch und uns über Großväter unterhalten, die den Krieg mochten. Unser Besuch hatte so einen Großvater und mein Mann auch. Ich kann das nicht verstehen. Keiner von uns kann das. Ich hatte einen Urgroßvater, der verständlicherweise Angst hatte vor dem Krieg. Er wurde noch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wegen Desertation hingerichtet. Ich habe seinen letzten Brief an die Familie einmal gelesen und meine Oma liest ihn noch oft, sehr oft. Ich glaube, sie hat ihren Vater ihr Leben lang vermisst. Wir haben gestern bei Kaffee und Keksen darüber und über unsere Vorfahren gesprochen, die in dieser Zeit ihre Heimat verloren hatten. Ich hatte sofort wieder diese Filmszene vor Augen.

Ich weiß, dass ich nicht ansatzweise nachfühlen kann, wie es den Müttern und Vätern ging, die solche Grausamkeiten erlebt haben. Ich habe diese Bilder auch ohne Kinder schon schwer ertragen. Seit ich Kinder habe ertrage ich sie gar nicht mehr. Ich bin durchlässiger geworden, mein Schutzschild fehlt. Nachrichten, Filme und Geschichten, in denen Kindern etwas angetan wird, halte ich schlicht nicht mehr aus. Auch wenn sie fiktiv sind.

Ich denke dann jedes Mal an all diese Kinder, die keine Zukunft mehr hatten. Deren Leben noch gar nicht richtig begann und wie willkürlich und grausam es beendet wurde. Und ich denke an Kinder, wie meine Oma es damals war, die ihre Eltern verloren haben und ohne sie groß werden mussten. Wer hält das schon aus?

Wenn ich meine Oma ansehe, weiß ich, dass sie diesen Teil ihres Lebens nie vergessen hat. Wenn ich meine Minimaus dann ansehe, weiß ich, wie gut wir es haben. Das darf ich niemals vergessen.

Das Kind hat kalte Füße…

imageIch bin inzwischen dreifache Mutter, habe 12 Jahre Berufserfahrung und promoviert, bin also wohl nicht ganz auf den Kopf gefallen. Außerdem habe ich zwei Elternzeiten ganz und eine zum Teil hinter mir, habe zwei Kitaeingewöhnungsphasen mit Maus und Mäuserich gemeistert, bin inzwischen auch schon im Schulalltag meiner Maus kein Amateur mehr, habe alle Kinder monatelang voll gestillt, viel getragen und fühle mich auch ansonsten insgesamt gut organisiert sowie meistens recht normal und reflektiert in meinen Ansichten. Also alles gute Voraussetzungen, um in fast allen Babyfragen entspannt zu bleiben.

Dennoch, und das ist das erstaunliche, bringen mich manche Kommentare zur Pflege von Minimaus erst in Verlegenheit und dann auf die Palme. Jawohl, ich kann es nicht mehr hören, dieses „Du trägst Minimaus den ganzen Tag? Was passiert, wenn Du sie einfach mal hinlegst, sie schläft doch jetzt?“ oder „Das Kind hat doch bestimmt kalte Füße und setzt Du ihr gar keine Mütze in der Wohnung auf?“ oder auch immer wieder gern: „Meinst Du nicht, mit einem Milchfläschchen würde sie besser schlafen? Das Stillen macht doch nicht richtig satt…!“ Mein Lieblingsspruch allerdings ist: „Lässt Du sie nicht auch mal schreien? Sie hört irgendwann doch wieder auf.“ Und am nettesten ist die Aussage: „Also ich habe in der Babyzeit viel genäht, den Haushalt alleine gemacht und jede Menge eingekocht.“

Meine Aufregung rührt wohl daher, dass diese Fragen und Sprüche neben aller Fürsorge, die man bei gutem Willen gerade noch hineinlesen kann, vor allem implizieren, man mache es sich unnötigerweise zu schwer, sei irgendwie überspannt oder gar einfach unfähig. Diese ungebetenen Aussagen und Ratschläge kommen nicht etwa von Fremden oder weniger guten Bekannten, die nicht schon mit erlebt hätten, dass bisher drei Kinder bei mir überlebt haben und auch einen ganz zufriedenen Eindruck machen. Nein, diese Sprüche stammen von Müttern und Großmüttern. Und ich höre das auch nicht erst jetzt, sondern habe das bei jedem meiner Kinder mehr als einmal besprechen müssen. Also schon mehr als dreimal! Ich schreie gleich….

Was mich daran ärgert ist die Tatsache, dass z.B. meine Mama wohl nicht wirklich zuhört. Ich habe ihr schon in den ersten Monaten mit der Maus die durchaus vorhandenen Vorteile des Stillens erklärt und auch dargelegt, warum man heutzutage die Babys nicht einfach so schreien lässt. Und das alles auch noch mit Literaturquellen untermauert. Schließlich bin ich Juristin! Beim Mäuserich dann alles noch einmal von vorn. Aber es scheint nicht angekommen zu sein. Selbst mal ein Buch zum Thema gelesen hat sie offenkundig auch nie und dass ich für mich das Stillen, Tragen und Kuscheln eben so möchte, scheint kein Argument zu sein. Statt dessen höre ich ihre -sorry, Mama- veralteten Sichtweisen auch bei meinem dritten Kind wieder. Grummel!

Liebe Mütter und Großmütter, ich will Euch nicht noch einmal erzählen, was ich Minimaus wann und warum anziehe. Ich will nicht wiederholt die Vorteile des Tragetuchs erläutern und auch nicht noch einmal erklären müssen, warum ich trotz aller Anstrengungen stillen möchte. Ich will mich auch nicht dafür entschuldigen, dass ich Minimaus nicht schreien lassen kann und ich will mich nicht dafür rechtfertigen, dass ich einfach mit meinem Buch oder iPad auf dem Sofa hocke, lese und Minimaus auf meinem Arm beim Schlafen zusehe.

Wenn das so weitergeht, werde ich irgendwann doch mal ausfallend und schenke meiner Mama ein schlaues Buch. Vielleicht sollte ich eine Infomappe zu allen viel diskutierten Themen wie  Tragen, Stillen, Schreien, Verwöhnen…. zusammenstellen. Jeder, der mich dann mit wohlmeinenden Ratschlägen überfällt, bekommt einen Stehordner mit den Worten in die Hand gedrückt: „Erst lesen, dann reden.“  Oder… …ich lehne mich zurück, nicke freundlich und mache so weiter wie bisher. Schließlich meinen die Mütter es nur gut, doch ich weiß es für mich persönlich besser. Hah….

Oma zieht um, Teil 2

Es ist jetzt tatsächlich so weit. Nachdem ich beinahe das Gefühl hatte, meine Mama überlegt sich das ganze Ding mit dem Umzug noch einmal, wird es jetzt ernst. Sie hat eine Wohnung in unserer Nähe gefunden und wenn es zeitlich gut „hinkommt“ wird sie noch vor der Geburt des „Wusels“ bei uns in der Stadt sein. Ich gebe zu, zwischendurch dachte ich, sie würde einen Rückzieher machen. Sie war so erstaunt über die Mietpreise bei uns in der Großstadt und über die Schwierigkeiten, etwas heimeliges zu finden. Vor allem aber machten ihr wohl die anstehenden Veränderungen generell Angst. Es ist auch eine besondere Zeit im Leben, wenn das Berufsleben zu Ende ist und man gleichzeitig seinen gewohnten Platz verlässt, um noch einmal in einer neuen Stadt zu leben und dabei auch noch nicht weiß, wie sich die neue Nähe zu den Enkeln auswirkt. Ich finde das sehr mutig von ihr und freue mich auf unseren neuen „Lebensabschnitt“.